Worte auf der Kundgebung "FÜR DEMOKRATIE, VIELFALT & RESPEKT"

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Bildrechte Reiner Broda

Die Rede von Pfarrer Matthias Frör auf der Kundgebung "FÜR DEMOKRATIE, VIELFALT & RESPEKT" vom 10.02.24 zum Nachlesen!

Danke, dass ich als Vertreter der Evangelischen Kirche ein paar Worte sagen darf.

Nicht nur als Christ und Pfarrer, sondern auch als Mensch und Bürger dieses Landes, stehe ich mit euch zusammen für ein menschliches Miteinander in unserer Gesellschaft, für die Würde jedes Menschen und damit gegen Hass und Ausgrenzung.

Auch die Kirchen stehen auf einem Fundament, das gerade die Schutzbedürftigen, die Fremden und Schwachen unter besonderen Schutz stellt:

„Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.“ Zitat aus 3. Mose 19,33f.

Alles war ihr tut, geschehe in Liebe – ist die Jahreslosung für 2024 aus dem 1. Korintherbrief.

Solche Mahnungen sind das humanistische Erbe des christlichen Abendlandes, das es zu verteidigen gilt gegen die, die angeblich die Werte des Abendlandes verteidigen aber sie in Wahrheit verraten.

Dass das Grundgesetz die Würde jedes Menschen als höchstes Gut sieht, entspringt der Erfahrung der Nazizeit, wo vielen ihre Würde und ihre Rechte abgesprochen wurden. Auch die Kirchen haben damals mehrheitlich ihre eigenen Werte verraten, Hakenkreuzfahnen an die Kirchtürme gehängt und sich mitschuldig gemacht an Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

„Nie wieder“ ist die Lehre daraus. Und „nie wieder“ ist heute, wenn Parteien wie die AfD rechtsextreme Gedanken wieder hoffähig machen, wenn gegen politische Gegner gehetzt wird, gegen Migranten, gegen die EU, gegen die Verfassung, gegen die Medien. Das stärkt nicht unsere Nation, wie behauptet wird, sondern es schwächt sie, bedroht sie – und das nehmen wir nicht hin. 

Ich möchte auch weiter in einem Land leben, wo wir in Respekt und Wertschätzung  miteinander umgehen, wo wir untereinander das Verbindende suchen, wo wir die Fremden achten, wo Juden und Muslime ohne Angst vor Anfeindung leben können, wo wir Vielfalt nicht nur aushalten, sondern sie als Gewinn sehen, wo wir streiten, aber nicht hetzen. Und wo wir - wenn es sein muss - wie heute zusammen klar zeigen, dass das auch die große Mehrheit in unserem Land so sieht.